Historischer Antisemitismus

Antisemitische Einstellungen lassen sich historisch bis in die Antike zurückverfolgen. Mit der Entstehung des Christentums wurden jüdische Menschen teils abgewertet und fälschlicherweise für die Kreuzigung Jesu verantwortlich gemacht. Dieser religiös, christlich begründete Antisemitismus wird auch Antijudaismus genannt.

Im Mittelalter wurden jüdische Menschen ausgegrenzt und verfolgt. Christliche und jüdische Menschen durften nicht untereinander heiraten. Es kursierten Verschwörungs­erzählungen, etwa dass jüdische Menschen Brunnen vergiftet hätten, um christliche Kinder zu töten, oder ihr Blut trinken würden. Solche diffamierenden Darstellungen fanden sich auch in Skulpturen und Bildern, etwa der sogenannten „Judensau“. Ein verbreitetes Vorurteil ist zudem, jüdische Menschen seien grundsätzlich reich. Dieses Klischee geht teilweise auf das Mittelalter zurück, als jüdischen Menschen viele Berufe verboten waren und ihnen oft nur Tätigkeiten im Geldverleih blieben. Tatsächlich leben heute viele jüdische Menschen in Deutschland ganz unterschiedliche Lebensrealitäten und sind keineswegs alle wohlhabend.

Auch für die Pest wurden jüdische Menschen fälschlicherweise verantwortlich gemacht. Diese Narrative wiederholen sich in der Geschichte: Während der Covid-19-Pandemie kursierten etwa Verschwörungs­erzählungen, das Virus sei eine gezielte Biowaffe Israels. Daran zeigt sich, wie alte antisemitische Muster an neue Ereignisse angepasst werden.

Vor der Zeit des Nationalsozialismus gab es während der Weimarer Republik rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Teilhabe für jüdische Menschen in Deutschland. Mit Artikel 136 der Weimarer Reichsverfassung wurden jüdische Menschen mit christlichen formal gleichgestellt – ihre Religion durfte den Zugang zu Staatsämtern oder bürgerlichen Rechten nicht mehr beschränken. Viele deutsche Jüdinnen und Juden setzten damit große Hoffnungen in Anerkennung und Zugehörigkeit. Sie trugen wesentlich zu Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Architektur bei und waren in vielen Bereichen der Gesellschaft integriert. Trotz ihres geringen Anteils von etwa einem Prozent der Bevölkerung waren sie sichtbar und in der Gesellschaft aktiv. Gleichzeitig blieb der Antisemitismus stark: Er organisierte sich in rechtsextremen Gruppen und Parteien, wodurch die Zugehörigkeit jüdischer Menschen zur Gesellschaft zunehmend in Frage gestellt wurde.