Verschwörungserzählungen behaupten, dass geheime, mächtige Gruppen im Verborgenen zentrale Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen steuern. Zufälle, Krisen oder komplexe politische Prozesse werden dabei nicht als vielschichtig oder widersprüchlich verstanden, sondern als Ergebnis eines geheimen Plans gedeutet.
Zentrale Merkmale sind:
- die Annahme, dass eine kleine, einflussreiche Gruppe im Verborgenen agiert,
- die Einteilung der Welt in „gut“ und „böse“,
- der Anspruch, angeblich „hinter die Kulissen“ zu blicken und über „exklusives“ Wissen zu verfügen.
Auch wenn mit dem Aufkommen des Internets der Eindruck entstanden ist, Verschwörungserzählungen seien ein neues Phänomen, begleiten sie Gesellschaften schon seit Jahrhunderten. Neu sind jedoch die Geschwindigkeit und Reichweite mit der sie verbreitete werden.
Wichtig ist die Abgrenzung zu berechtigter Kritik. Skepsis gegenüber politischen Entscheidungen, Institutionen oder Medien ist berechtigt und gehört zu einer demokratischen Kultur. Selbständig zu denken u Informationen kritisch zu hinterfragen sind Vorussetzung dafür, aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können. Zudem hat es auch in der jüngeren Geschichte reale Verschwörungen gegeben, die nur deshalb aufgedeckt wurden, weil Menschen offizielle Darstellungen hinterfragt haben. Verschwörungserzählungen unterscheiden sich jedoch dadurch, dass sie Gegenargumente häufig als Teil der vermeintlichen Verschwörung interpretieren und diese nicht akzeptieren.
Wenn Verschwörungserzählungen absichtlich und wissentlich falsch verbreitet werden, können sie ein Instrument der Desinformation sein. Gleichzeitig ist es oft so, dass Personen, die solche Inhalte teilen, selbst von deren Richtigkeit überzeugt sind. In diesem Fall ist die Definition von Desinformation streng genommen nicht mehr zutreffend, aber diese Inhalte sind dennoch falsch und können gesellschaftlich problematisch sein.
Ihre Fähigkeit, an andere Ideen und Themen anzuknüpfen, macht Verschwörungserzählungen besonders langlebig. Sie lassen sich flexibel an neue Ereignisse anpassen und greifen aktuelle Themen auf. Sie werden dabei von sehr unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren genutzt, von esoterischen Milieus bis hin zu extremistischen Gruppen.
Weiterführende Informationen bietet unter anderem: